Mobile Payment: Warum Bargeld nicht mehr am Schnellsten ist!

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Immer mehr Karten unterstützen mittlerweile die kontaktlose Bezahlung.

Ich weiß der Titel klingt schonmal ziemlich provokant und im Grunde ist das auch Absicht.
Nicht weil ich damit explizit provozieren möchte, sondern aus dem simplen Grund, dass es einfach die Wahrheit ist! Bargeld nervt mich beinahe ständig, wenn ich mit ihm in Berührung komme!
Aber am Besten fange ich erstmal mit einem kleinen Beispiel aus der vorletzten Woche an.

Ich war früh morgens auf dem Weg zu einem Termin und hatte nicht mehr sonderlich viel Zeit zu frühstücken, also entschied ich mich auf dem Weg dorthin kurz in einem Supermarkt anzuhalten und mir eine Kleinigkeit zu Essen zu besorgen. Ich parkte, ging in den Laden und natürlich auf Grund meines Zeitdrucks direkt zur Backwaren-Theke.
Jetzt sei einmal dahingestellt, ob die Backwaren beim Supermarkt nun die aller Besten sind, aber für einen Halt bei einem richtigen Bäcker hätte ich eben einen Umweg gehen müssen.
Ich stand also vor den Backwaren, nahm mir mein Käse-Laugen-Brötchen und einen kleinen Berliner aus der Box, packte beides in eine Tüte und ging so schnell ich konnte zur Kasse.

Dort angekommen war eigentlich nicht sonderlich viel los, lediglich eine ältere Dame war noch vor mir. Also stellte ich mich an und wartete. Immerhin war ja lediglich eine Person vor mir dran. Wie lange kann das schon dauern?
Nun denn, ich hatte nicht die Rechnung mit Bargeld gemacht.
Denn als die Kassiererin der Dame vor mir den völlig ungeraden Betrag nannte, kramte sie erstmal nach einem Schein, legte ihn aufs Band und fing dann mit der gefühlt Jahrhunderte andauernden Suche nach ein paar zerquetschten Cent in ihrer viel zu kleinen Geldbörse an.
Mit der typischen zwei Finger Bewegung strich sie jede ihr nicht zusagende Münze langsam aus ihrem Sichtfeld, um durch ihre Gleitsichtbrille die nächste Münze beurteilen zu können. Dies wiederholte sich einige Male, während ich mit meiner kleinen Tüte hinter ihr stand und wartete, genau wie der Mann hinter mir, der mit seinen Einkäufen bereits fast das komplette Band belegt hatte. Wir warteten, bis die Dame endlich ihre Cents zusammen gesucht hatte und sahen unsere Lebenszeit langsam dahinrinnen.
Als sie dann endlich fertig war und die Kassiererin das Geld pflichtbewusst und langsam nachgezählt hatte, war ich endlich dran.

Die Kassiererin warf einen kleinen Blick in meine Tüte, tippte einige Codes ein und teilte mir den fälligen Betrag mit. Ich erwiderte das Ganze mit einem Lächeln und den Worten „Mit Karte bitte!“, hielt mein Telefon an das Kartenterminal, hörte ein kurzes „Ring“ aus den Lautsprechern meines Smartphones bimmeln und wusste ich hatte meine Rechnung beglichen.
Ich nahm meine Tüte, verabschiedete mich kurz aber höflich und war auch schon draußen, während die ältere Dame vor mir auch immer noch auf dem Weg nach draußen war.
Mein kompletter Zahlvorgang per Smartphone ging innerhalb von wenigen Sekunden schnell und sicher über die Bühne, während die Frau mit dem Bargeld das fünf bis zehnfache an Zeit benötigte, um ihren Kaufvertrag legal zu besiegeln.

Studie: Bargeld wirklich schneller?

Aber wie komme ich dazu gerade diese Geschichte zu erzählen? Naja ich stieß kürzlich auf eine Studie, die untersucht hat, wie lange das Bezahlen an der Kasse mit verschiedenen Zahlungsmitteln denn nun genau dauert und wie viel diese kosten.
Diese Studie wurde von der Deutschen Bundesbank beim Institut EHI Retail in Auftrag gegeben.
Ich fand die Studie direkt interessant! Am meisten hat mich dabei die Zeitdauer der einzelnen Zahlungsverfahren interessiert.
Denn das Ergebnis der Studie war, dass Bargeld immer noch die schnellste Zahlungsmöglichkeit sei, während das bargeldlose Bezahlen immer noch deutlich länger dauere.
Viele Seiten haben dies als großen Aufhänger genutzt und die Tatsache, dass Bargeld schneller sei groß in den Titel geschrieben.
Ich habe mir daraufhin die Studie mal selbst angesehen und dann doch festgestellt, dass das im Grundsatz zwar stimmt, aber doch so Einiges in den rechten Kontext gerückt werden muss.

An sich muss ich nämlich sagen, dass dies laut Studie absolut korrekt ist und genauso aus derselben hervorgeht. Allerdings hat die Studie auch einige Schwächen, die dort auch selbst genannt werden oder direkt ersichtlich sind.
Zu aller erst einmal wurden in der Studie in lediglich fünfzehn Betrieben aus sechs verschiedenen Branchen die Zeitdauer einer Zahlung gemessen.
Dies ist meiner Meinung nach eine relativ geringe Zahl für solch eine Messung. Hier wäre eine etwas höhere Quantität doch von Vorteil für die Genauigkeit der statistischen Zahlen gewesen.

Bargeld ist immer noch das häufigste Zahlungsmittel

Bargeld, des Deutschen Zweitliebstes Kind, direkt nach dem Auto.

Nichtsdestotrotz kann man die Zahlen natürlich trotzdem hernehmen, um einen Trend abzuleiten und das wurde auch gemacht.
Hier nach handelt es sich bei 77,9 Prozent, also ungefähr drei von vier Zahlungen im Einzelhandel, um eine Barzahlung. Lediglich 21 Prozent der Zahlungen werden mit der Karte durchgeführt. Hierbei werden alle Kartensysteme zusammengefasst, also alles von Girocard über Maestro und VPay bis hin zu Kreditkarten.
Diese Zahlen sind im Barzahlungsland Deutschland meiner Ansicht nach keine Überraschung.

Interessant wird es aber erst beim Blick auf die Dauer der einzelnen Zahlungen.
Denn hier gibt es doch so einiges, was bemängelt werden kann, zumindest in Bezug auf die Berichterstattung um die Statistik herum.
Es wird nämlich deutlich, dass eine Barzahlung zwar im Schnitt mit 22,3 Sekunden Dauer schneller ist als eine Kartenzahlung mit PIN und Unterschrift. Diese dauern im Schnitt 29,4 Sekunden (PIN) beziehungsweise 38,9 Sekunden (Unterschrift).
Jedoch fehlt damit eine Zahlungsmöglichkeit, die vor allem im letzten Jahr deutlich an Fahrt aufgenommen hat und aktuell noch mehr an Fahrt gewinnt. Ich rede von Mobile Payment und Contactless Payment, also das Bezahlen per Smartphone oder NFC-fähiger Karte.

Kontaktlose Zahlungen stehen erst am Anfang

Die Studie selbst führt zwar an, dass kontaktlose Zahlungen nur in geringem Maße gemessen wurden und deshalb nicht direkt in die Studie eingeflossen sind, jedoch mag dies auch mit dem Zeitpunkt der Durchführung der Studie zusammenhängen. Denn diese wurde im Jahr 2017 durchgeführt.
Im letzten Jahr hat sich meines persönlichen Empfindens nach das kontaktlose Bezahlen immer mehr durchgesetzt, man sieht deutlich mehr Kunden mit kontaktloser Karte bezahlen und spätestens mit der Einführung von Google Pay Mitte letzten Jahres und der darauffolgenden Einführung so einiger anderer konkurrierender Dienste, wie der virtuellen Girocard der Sparkasse oder dem vor einigen Wochen gestarteten Apple Pay, ist Mobile Payment im Massenmarkt angekommen.

Viele Kartenzahlungen laufen oft noch nicht kontaktlos ab, da noch nicht alle Karten dies unterstützen.

Mittlerweile werde ich auch kaum noch überrascht angeschaut oder gefragt, wie das denn eben funktioniert habe, wenn ich mit dem Smartphone bezahle. Die meisten Leute haben sich daran gewöhnt und viele scheinen es auch schon zu nutzen.
Genau hier ist aber das größte Problem mit der Studie oder eher mit der Interpretation der Öffentlichkeit. Die Studie ist vor nun fast 2 Jahren durchgeführt worden und der Markt hat sich vor allem im letzten Jahr gewandelt.
Eine Bezahlung per kontaktloser Karte erfordert bis 25€ keine PIN und geht damit deutlich schneller als alles bisher dagewesene. Eine Bezahlung per Google Pay erfordert bei Einsatz eines Fingerabdruck-Sensors als biometrische Authentifizierung sogar überhaupt keine PIN mehr und ist damit jeder anderen Zahlungsmöglichkeit, um Weiten überlegen, existiert hierzulande aber erst seit Mitte letzten Jahres.

Somit würde ich auch nicht daran zweifeln, dass die nicht repräsentative Zahl von im Schnitt 25 Sekunden für eine kontaktlose Zahlung aus der Studie, mittlerweile unterboten würde, denn eine PIN ist nun nicht mehr immer nötig.
In der Studie wird auch in einer Simulation auf die erhöhte Anzahl von kontaktloser Bezahlung eingegangen und schon in der Einleitung wird deutlich gemacht, dass diese einen nicht unerheblichen Einfluss auf künftige Studien haben könnte.

Fazit zur Studie

Somit lässt sich festhalten, dass die Ergebnisse der Studie für das Jahr 2017 zwar repräsentativ sein können, jedoch zum jetzigen Zeitpunkt einfach durch die großen Veränderungen im vergangen Jahr und den letzten Wochen, nun doch eher mit Vorsicht zu genießen sind.
Ich persönlich bin ein großer Freund von Mobile Payment und bargeldloser Bezahlung, da sie eben zumindest in meinem Fall mit Google Pay immer deutlich schneller geht und bei genauerem Hinsehen auch sicherer sein kann.
Denn in meinem Telefon ist niemals meine echte Kreditkarte gespeichert, sondern nur eine virtuelle, die mit einem Klick gelöscht ist und nicht erst gesperrt und dann neu angefordert werden muss, wenn das Telefon gestohlen wird oder verloren geht.

Deutschland noch immer Bargeldland

Leider ist es aber immer noch an vielen Stellen nicht möglich überhaupt ohne Bargeld zu bezahlen, wie beispielsweise bei den meisten Bäckern, womit sich teils auch der hohe Bargeldanteil in der Statistik erklären lässt.
Könnte ich dort mit meinem Smartphone bezahlen würde ich sicher deutlich öfter dort etwas kaufen, doch immer erst Bargeld holen zu müssen ist einfach ein gigantischer Nerv-Faktor.

3 von 4 Zahlungen sind immer noch Bargeldzahlungen

Auch finde ich es schade, dass sich viele Leute komplett gegen bargeldlose Bezahlung verweigern und diese ohne wirkliche Argumente Verteufeln.
An meinem anfänglichen Beispiel sieht man, dass man damit deutlich Zeit sparen kann(!) und ja ich weiß, dass dann auch Daten bei Google und den Banken anfallen, aber so what?
Die meisten von euch da draußen posten ständig Bilder ihres letzten Saufgelages, Familienfestes oder einfach Frühstücks öffentlich auf sozialen Netzwerken, wie Instagram, Facebook oder Twitter und denken auch überhaupt nicht darüber nach, was das Facebook-Spiel, das sie täglich spielen eigentlich alles für Informationen abgreift.
Gleichzeitig erstellt euer Smartphone einen ständigen Standortverlauf von allen besuchten Orten im Hintergrund.
Da stellt sich mir dann am Ende die Frage, was schlimmer ist, die Tatsache, dass Google weiß, dass ihr gestern morgen für 15€ bei Lidl eingekauft habt oder die Tatsache, dass euer zukünftiger Chef das Foto eures betrunkenen Selbst im Netz aufstöbert.

Gesamtfazit

Versteht mich bitte nicht falsch, ich will hier niemandem sein Bargeld wegnehmen oder jemanden drängen bargeldlos zu leben. Wer lieber weiterhin mit Bargeld leben möchte, der kann dies gerne tun.
Jedoch schadet es doch nicht beides anzubieten, man nimmt damit niemandem etwas weg, sondern gibt anderen mehr Möglichkeiten.
Ich hoffe eigentlich nur ich kann hiermit etwas anregen doch mal über den Tellerrand zu schauen und auch dazu animieren einige Artikel und Studien, auch wenn sie aus einer vertrauenswürdigen Quelle stammen, doch erstmal zu hinterfragen und in den richtigen Kontext zu rücken.
Schreibt mir doch Mal eure Meinung zum Thema unten in die Kommentare.
Nutzt ihr eher Bargeld oder Bargeldlose Bezahlung und wenn ja warum und was für Bargeldlose Zahlungsmittel nutzt ihr denn am häufigsten?

Link zur Studie: „Studie: Zahlungen mit Bargeld sind schnell und günstig – Bundesbank.de“

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